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Wo nichts als Freiheit ist

Zwischen uns ist Leben, aus uns wuchs Leben,
sich wie das Weinlaub weiter rankend,
weil wir im Herzen ergriffen sind,
in der Mitte!

Gehe in die Mitte! Oder gehe – in eine andere Mitte.
Aber gehe dorthin, nirgendwohin sonst.

Fürchte nicht das Lieben, bitte – ich flehe dich an,
fürchte alles, aber nicht das Lieben,
weil du dann nichts mehr zu fürchten brauchst,
weder auf Erden noch im Himmel.

Liebe oder hasse, doch tu es mit der ganzen Kraft,
mit der fraglosen Totalität deines Seins,
eben so wie es ist.

Ob du mich dabei wählst oder einen Anderen,
das ist das Einzige, was keiner Frage bedarf,
es lohnt nicht davon zu sprechen.

Liebe einen Menschen und liebe ihn mit deinem Herzblut,
so sehr, dass es dich fast zerreißt,
liebe ihn solange, bis es dich inmitten zerbricht,
das Oberste zu unterst gewandet,
der Morgen wird dich aufheben,
dich in die Freiheit geleiten.

Liebe einen Menschen in dem, was er ist,
reich ihm dein Leben, auf dass er damit mache, was ihm gefällt.
Gib dich vollständig her, leere dich aus,
verschreibe dich einer geliebten Seele
bis zur Aufgabe deiner Selbst, bis nichts mehr,
nichts mehr übrig bleibt und dir der Atem fehlt,
weil du so sehr, so unbeschreiblich, unaussprechlich,
so grausam in die Unendlichkeit liebst.

Eines Tages dann birst sie, zersplittert die Mauer,
zerreißt der Gürtel, der um dein Herz gelegt,
und dein Aug‘ ins Innerste aller Menschen wird frei.
Hinfort gibt es keinen Einzigen unter den Millionen,
welchen du noch verachtest.

Ich brauche dich nicht, denn ich liebe dich.
Und ich brauche dich, weil ich dich liebe.
Gehe und liebe, dass du daran stirbst!
Bevor du stirbst aber beginne Dein Singen.

Liebe diesen Einen,
dass nicht der Schatten eines Zweifels mehr auf ihn fällt.
Lass seinen Geist dein Denken beherrschen,
diene nur ihm und diene ihm schön,
weil er dir das Schönste und Heiligste des Universums ist,
keiner ihm vergleichbar, er,
der dir Hölle und Seligkeit bereitet,
er, der beinahe, der am meisten eins mit der Wahrheit.

Seine Kraft liebe und seine Schwäche, und sein Antlitz,
seinen Gesang, dass du vergehen möchtest.
Dieser Eine vor allem, dieser dein Freund,
welcher dich heilt durch seine Schönheit.
Doch nicht um dieser Willen liebe ihn,
denn er tötet dich auch,
nimmt dir mit seinem Wort,
mit seinem Lächeln und Wissen den Grund.

Liebe ihn, weil du liebst,
aus dieser einen einzigen Quelle –
nur darin, weil du eben liebst, weil es dich traf.


Meine Sehnsucht nach dir wird niemals ins Schweigen,
ins Ende kommen, denn was sich da gebar
ist zu sehr Leben!

So lange du also bist,
bin ich mit dir und bewahre all dies, all jenes,
alles was ist, in meinem Herzen und meiner Seele,
küsse die deine dort, wo nichts als Freiheit ist.

© Santos-Aman

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