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Wind über der See

Wind kommt auf, umspielt Wangen und Haar,
Worte fallen in Bilder,
über der Welt liegt ein Hauch,
liegt Poesie, kobaltblauer Purpur.

Eintauchen, tief, tief,
unter die Oberfläche und ich bin
im Meer der Fisch, Flosse und Hände,
Neptun und Mensch, bin ich Meer,
wenn der Wind über die Dünen zieht.

Als Wind trittst Du in mich ein,
alle Tore zerrissen,
Wind, der reinigt, glättet und kräuselt,
aufwühlt und niederzwingt,
sanfte oder peitschende Liebkosung,
Wind über meine See.

Wehenden Leibes liegt Du
im Sand neben mir, du Übersternte.
Aus meine Augen tropfen Tränen
in ihren ewigen Quell zurück.

Salz auf Deinen Lippen, salziges Haar,
Salz auf Deinen Händen, wie Regen,
wehst Du Trauer und Schweres an,
lass ich es ein und lass ich es zieh’n.

Wellendes Wasser höhlt die Felsen,
hier und da schaukelt am Ufer Strandgut,
welches der Ozean in die Ruhe und
Erdennähe entließ.

Sich neigendes, vom Weltenatem gebeugtes Gras
wie Haar, kämmt es der Wind –
draußen spinnt sich der Schaum des Wassers,
nur ein Wogen, Wind über der See.

Alles durchschreitender Wind
Wie ein rauchender, musizierender Zigeuner,
betörend erfährt mich Dein Lied.

Wind, welcher alles sieht und alles sucht,
weil das Alles ist, aufsteigend oder verbergend,
nicht nachlassender, ins Sterben liebkosender,
wilder, zärtlicher Wind,
streichst durch meine Hände,
entfesselt in der Ebene,
küsst Du mich, den Kuss,
den Sternenkuss.

Jedes Wasser, welches Dich netzt,
über Deine Hände fällt, rauscht Dir von mir;
vom Meer das uns Nächte an Land warf,
darin die Welt geschah, wenn wir niedertauchten,
einander zu finden. Wind über der See.

Schwimmt einer wie ich in sein Meer,
schwimmt er der unendlichen Sehnsucht
entgegen, bis sie ihn wie ein Mantel umhüllt,
zum Tornado steigt, über die Fläche rast.

Neigt sicher der Wind zur See,
trinkt sie sein Blau.

© Santos-Aman 2005

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