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Wanderer zwischen den Zeiten

Du bist dem Segelflieger ähnlich, der sich in der Schwebe hält
und fliegst durch ein Ausgleichen abgefangener Strömungen,
durch einen Mindesteinsatz eigener Energie durch Aufgreifen
und Umlenken fremder Antriebe gewinnst du Höhe und Weite.

Denn in dir wirkt eine Art des Nicht-Selbst und eines
Ausgleiches des Vielen in höchstem Stil und Ebenmaß.
Deine Aktion ist also Reaktion auf kaum sichtbare,
unterschwellige, mitschwingende Reize,
welche du in Eines fügst und geistig lenkst.

Doch du bist auch der Wind, der überall Einlass findet,
sucht, sich schafft, hinausschweifend und immerfort beweglich.
Aus Widerstrebendes fordert sich Dir Synthetisches.
Deine Kraft zur Führung entspricht darum deinem Willen
als Funktion und Essenz des dich umschließenden Feldes,
aber niemals löst du dich selbst auf.

Zwischen Geistigem und Sinnlichem schlingst du das Band
in den Reif der Harmonie. Alles steht zueinander
in einem heimlichen Bund des Universalen, doch bleibt es
dabei stets in der Schwebe einer Möglichkeit.

So bedeutet Liebe dir auch ein Prinzip symbolhaften Ranges,
überall schwingt Eros mit und dennoch
hängt eine Beziehung nicht vom Grad der Leidenschaft ab,
sondern von einer Wirklichkeit gewordenen Lebensharmonie,
einem Austausch der Geister und Seelen und nicht zum
mindesten von einem Gleichklang ästhetischen Genießens.

Das Imaginative und das Greifbare fließen vor deinen Augen
ineinander und du bewegst dich an der Schwelle zwischen Beiden.
Traum und Phantasie fluten in das Gebäude von Raum und Zeit,
Dein Auge erfasst den universalen Zusammenhang während der Spanne
eines Aus – und Einatmens, grenzüberschreitendes und bindendes
formt sich zu einem Ganzen, darin sich sowohl das Tor zum Genialen
als auch zum Irrsinn öffnen kann.

Der Zusammenhalt liegt in einer Sphäre der Gefahr,
Du bist ein Wanderer zwischen den Zeiten und hast darum Sehnsucht
nach dem Nichtmessbaren. Ängste und die Kraft der Vorstellung
mögen sich in ein Wolkengebirge türmen, ein ungestilltes Verlangen
oder ein unfasslicher Verlust strömt, Feinfühligkeit entdeckt alles.

Und so wanderst du weiter, immer auf der Suche nach dem Wunderbaren.

© Santos-Aman

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