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Licht ohne Dunkel

Liebst du die Liebe mehr als den Geliebten?
Auf eine Art liebst du mit Rückhalt,
doch du verlierst dich nicht,
fällst nicht in jene vollständige
und absolute Verlorenheit,
wo die Liebe vom Irrsinn umarmt
im Angesicht des Todes liebt.

Mit keinem Unterton von Tragik
verlangst du nach dem Ganzen,
jenes Ganze das in einem
reinen Licht erstahlt.

Liebe bedeutet dir nicht Hingabe,
in keine Tiefe stürzt du,
sondern wanderst einfach immerzu –
alles schenkend, aber unveräußert.

Feuer, welches dich läutert,
nicht verzehrt, reinigt nicht bricht,
Früchte aus dem Stamm ziehend
und keine Träne von Asche.

Alles was Liebe ist, ist schön,
sagst du, wie sagt man das?
Ich werde dir zuhören,
und vielleicht dieses Leuchten
in dir finden und ein paar
Tropfen kosten.

In meinem Herzen ist Liebe
immer Sterben und Fallen
in immer andere Tiefen.
Für mich ist Liebe eine totale
Selbstvergessenheit, nicht
Ich-Vergessenheit!
Der Blick nach dem Tod,
der geheime Wunsch des
überwundenen, wo er für immer
sein Leid hätte begraben wollen,
auch danach schmeckt Liebe.

Von allem Sein aber ist Liebe
dem Tod am ähnlichsten,
weil sie das Totale, das Ganze ist.

Jener Wein, von der dunklen Farbe des Granat,
ist dem Saft der Tränen entnommen.
Könnte ich doch nur lieben wie du.
Doch vielleicht wünsche ich mir das gar nicht,
weil wir ja immer sind, was wir sind. –
Nur weißt du, wie wunderschön es war,
dieses Licht ohne Dunkel einmal
auf meiner Haut zu spüren?!
Immer werde ich mich erinnern.

© Santos-Aman 2003

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