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Gott und die Welt

Die christliche Erkenntnis, die nie schweigende Wahlfreiheit zwischen Gut und Böse ist das höchste Geschenk der göttlichen Gnade und das sicherste Unterpfand der Erlösung. Denn das Gute kann nur erkennen, wer auch das Böse erkannt hat; in der Existenz des Bösen liegt die Gewissheit des Guten. Der Himmlische verlässt keines seiner Schafe und kennt ein jedes bei seinem Namen und seiner Tiefe. Und vielleicht gibt alleine die Erfahrung der Willkür den Anreiz zu Suche nach der „ganz anderen Sache“ und das ist Christos – und vor allem zur Wahl der wahren Freiheit, der nach innen hereingenommenen Wahrheit, die vollkommen befreit und den Menschen außerhalb jeden Zwanges stellt.

Und doch, und das ist das Geheimnis, dem höchsten aller Zwänge verhaftet, denn es ist das Prinzip der Sühne, dass sie den Menschen nimmer lässt, nicht bis zum Ende seiner Tage und ihm allezeit vor die Erinnerung führt, der Prüfung unterzieht, sodass er ewig auf der Suche, dem ewigen Ruf zu folgen hat, um nicht zerrissen zu werden in seiner Seele, vergiftet am Leib, ertrinkend in der Flut. Die freie gegenseitige Liebe lässt die beiden Freiheiten, die Gottes und die des Menschen, gemäß dem Dogma von den zwei Willen in einem Einklang zusammenfließen. Es ist so, dass alleine Gott wirklich lieben kann, und deshalb wird er Mensch und hebt das Menschliche auf die Ebene dieser Liebe empor.

Man spürt, wie die Geschichte in ihren grundfesten erschüttert ist, denn das Böse ist nicht einfach ein fehlen des Guten. Wenn der große Trug sich erfüllt und der furchtbare Stellvertreter des Geistes der Verneinung auf dem Untier reitend die unfruchtbaren Wüsten verlässt und die Massen hinter seinen Fußtritten herziehen, dann versteht man, dass die optimistische Synthese der Geschichte nicht auf der Seite Christi, sondern auf der des Antichristen steht. Der christliche Optimismus ist tragisch, denn er ist an die menschliche Freiheit geknüpft. Das Gute hat noch nie sichtbar in der Welt Triumphe gefeiert, und das Evangelium hat keinerlei geschichtliches Happy end versprochen. Und dennoch, welcher Gedanke vermag Bitterkeit und Todessehnsucht mehr zu lindern, wirksamer zu trösten als der Gedanke, die Idee des All-Verzeihenden, welcher dringt in die untersten Höhlen jeder Menschenseele und dort erweckt zur Erkenntnis. Eine plötzliche Öffnung in der Zeit enthüllt das, wohin sich die Welt bewegt, nämlich zur Freude der Hochzeit von Kanaa, dem zeitlosen Jubel des auferstandenen Fleisches. “ Freuen wir uns, trinken wir den Wein, den Wein der neuen und großen Freude.“ Hinter allem grausen Schrecken wacht eine Sonne, wirkt im letzten, finstersten, schmutzigsten Winkel, in der verderbtesten Seele, am Gipfel der Bosheit und Niedertracht noch ein Funke von Barmherzigkeit, ein Ausgleich, eine Tat des Mitleids, eine Träne über den Selbstmord des Verräters, ein Flüstern von Sehnsucht nach heil, eine heroische Tapferkeit oder die Treue eines Freundes vor dem Gericht. Es gibt sie nicht, jene ewige, hoffnungslose Verdammnis, weil nichts, aber auch nichts der Gnade Gottes gleichkommt. Erwecken wir darum die Schönheit, ohne die es nichts auf dieser Welt zu tun gäbe. Einer der Gnostiker lehrte, der Mensch müsse von allem Natürlichen erlöst werden, von allem, was er ist und was ihn umgibt: von der Welt, von dem Gesetz, von der Sünde, von dem eigenen Ich und auch von der Gerechtigkeit. „Jesus hat niemals gegen jene Mächte gekämpft, die der Gegenstand moderner Sozialproblematik sind, wie Bourgeoisie, Kapitalismus, Bürokratie und dergleichen, weil ihm alle diese Dinge viel zu gleichgültig sind. Er hat immer nur einen Feind erbittert bekämpft: Den Teufel im Menschen……….

Die durchgängige Haltung Christi ist ganz einfach die, dass er alles Menschengeschaffene bis zur Lächerlichkeit gleichgültig findet.

Gott ist die Seele, ist die einzige Wirklichkeit, die Welt aber ist das Unwirkliche: dies ist der Sinn der frohen Botschaft Jesu. Wahres Christentum will niemals die Welt „vervollkommnen“, weder sozial noch politisch noch ökonomisch, ja nicht einmal moralisch; denn es lässt sie gar nicht gelten, es benutzt sie überhaupt nicht.

Alle Arbeit aber hat den großen Nachteil, dass sie den Menschen ablenkt, zerteilt, von sich selbst entfernt. Und daher kommt es, dass alle Heiligen, alle Religionsstifter, alle Menschen, die in größerer Nächte zu Gott lebten, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen pflegten. Was taten sie dort? Nichts. Aber dieses Nichtstun enthielt mehr Leben und innere Aktivität als alles Tun aller anderen. Der größte Mensch wird immer der sein, der ein Spiegel zu sein vermag: kein zitternder, getrübter, ewig bewegter, sondern ein klarer, reiner, ruhender Spiegel der alles göttliche Licht in sich einsaugen kann.

„Selig sind die Müßigen, denn sie werden die Herrlichkeit Gottes schauen“; selig sind die Stunden der Untätigen, denn in ihnen arbeitet unsere Seele. Habe den Mut, vertraue Dich an, denn die Hölle lässt Dich los, wie jeden, der weiter will. Und stirbt nur der Mensch, so er ist ohne Freude.

Nimmer lässt es Dich los und Du suchst, weil du suchen musst, richtest, selbst als Du nicht wusstest, dass Du suchst und wenn nicht willentlich, so hineingestoßen, herabgestürzt, denn da ist keiner, der auskäme und nicht bezahlte einen vielfachen Preis. Ist es nicht so, dass Christus will, der Wille des Vaters werde nicht von unterworfenen Sklaven erfüllt, sondern von Freunden und dass Seine Wache niemals ermüdet? Seine Engel werden Dich geleiten, wie einen jeden auf seiner Umkehr und über die ärgste Selbstgeißelung, welche nicht schweigen mag, hinaus. Und der Mensch kann sich selbst nicht entgehen, weil er unter des Himmlischen Schild gestellt, der bereits vor uns all unsere Sünden gesühnt und aufgehoben hat.

Und wenn einer auch manchmal zu Welt nur eine Beziehung hat über eine einzige Person, so ist diese, gerade diese ihm geschenkt, dass er heile am Geist und Herzen. Darum existiert keine Hölle, ist sie reine Illusion, denn am größten unter Allem ist die Liebe, die Alles – Aufhebende und Alles – Glättende, die reine, herzensfüllende Liebe des Vaters.

Nein es gibt sie nicht die Verdammnis – wohl das Verhängnis, aber doch nur zeitweise, übrig bleiben die Liebe, die Freude, das Lichte und außer ihnen nichts. Die Unbesiegbarkeit des Guten und die Irrealität, die Nicht – Existenz des Bösen, das ist es, was die Menschen vergessen haben.

© Santos-Aman

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