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Aus der Nacht gehoben

Du, die sich mir näherte, um Bitteres zu kosten –
ich habe es nicht so gewollt, geahnt oder gerufen.

Einsicht und Demut haben das stärkste Wort
in der einsamen Erinnerung.
Die Rede fordert stets zum Widerspruch,
leicht hat es Klage und Anklage.

Wenn ich das Sein, Kraft und Wort fände,
dich dem Tröstlichen anheimzugeben!

Aber das Wort kommt zu Dir als Wort,
auf der Reise von Seele zu Seele
des Lebendigen bloß geworden,
so erkunden und suchen Dich
nur noch meine Gedanken,
umhüllt Dich fern eine stille,
traurige Zärtlichkeit.

Lass uns die Bitterkeit verstoßen,
zum Licht heben den alten, uralten Schatten,
jenen lauten Schrei, der sich zum Despoten
und Herrscher krönt, die Regentschaft
verteidigend sein Menschsein –
kämpft, liebt und brüllt,
dass alles niedergeht.

Geh fort, wenn Dein Krug zu zerbrechen droht,
meide mich, wenn Du aus meiner Hand nur den Tod
und wieder und wieder ihn empfängst,
ich wähne den blühenden Stab Dir zu reichen,
der an Deinem Herzen zur Natter wird.
Was und wie ich`s versuche, zuletzt schlägt es fehl,
meine Mühen umsonst, all meine Zuneigung
wird vor Dir zum Spott.

Nein, das ist es nicht, was ich will,
ich bin weit gegangen und hoffe niemals,
dass die Weite in der Öde und Bedrängnis endet,
der Pfad sich im hohen Gras verläuft,
Entsetzen die müdgewordene Seele verschlingt.

Was taugt meine Liebe, da sie Dich ermattet?
Unsere Worte und Liebe entleert Daimon von Sinn,
nenn ich Dich „Liebste“ es wird zur Metapher, zum hohlen Gerüst,
verlassenes Gehöft im erbarmungslosen Wind,
wozu noch gesprochen?

Doch da ist was hält, was vorwärtsdrängt, da ist die Glut,
welche von innen heraus wärmt und überleben will.
Sei vielmals aus der Nacht gehoben.

 

© Santos-Aman 2003

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